Wild und aromatisch: Wilde Heidelbeeren

 

Wichtig: Wild! 

Die Heidekrautgewächse stammen ursprünglich aus den Heidegebieten Europas und wurden danach in Nordamerika kultiviert. Heidelbeeren bevorzugen ein kühles gemäßigtes Klima und sind deswegen vorwiegend auf der nördlichen Halbkugel zu finden, in halbschattigen Wäldern, an Waldrändern, auf moorigen und sandigen Böden.

Unterschieden wird die Wilde Heidelbeere – die auch im Schwarzwald seit vielen Jahrhunderten gedeiht – deren Schale und Fruchtfleisch gleichermaßen violett gefärbt ist und darum auch Zähne und Mund verfärben. Sie sind kleinwüchsig und hoch aromatisch. Gesammelt werden die Beeren in Deutschland in den Monaten Juli bis September.

Daneben ist immer häufiger die Zuchtheidelbeere aus Kulturpflanzungen erhältlich. Diese Sorte wurde im 19. Jahrhundert aus der Amerikanischen Heidelbeere herangezogen: Die Früchte sind fast doppelt so groß wie die der wilden Variante – allerdings weniger aromatisch. Die Schale ist blau, das Fruchtfleisch weiß, weswegen sie kaum abfärben. Angebaut werden die Halbsträucher vor allem in der Lüneburger Heide, Frankreich oder Polen.

Küchentipps

Heidelbeeren können bis zu drei Wochen im Kühlschrank gelagert werden, ohne zu verderben. Trotzdem sollten sie rasch verzehrt werden, da sie mit der Zeit einen bitteren Geschmack annehmen. Vor der Verarbeitung sollten die Früchte nur kurz gewaschen werden, da das Obst schnell „ausblutet“ und damit die feinen Aromastoffe ausgeschwemmt werden, der Geschmack dadurch verwässert. Frische Beeren lassen sich auch hervorragend einfrieren, um sie später für Desserts oder Kuchen zu verwenden. Oder einfach leckere Marmelade daraus kochen oder Kuchen daraus backen. Als Alternative ist auch industriell hergestelltes Fruchtmark zu empfehlen, solange als Ausgangsprodukt die fein aromatischen Wilden Heidelbeeren verwendet wurden.

Antibakteriell und entzündungshemmend: Medizin in Beerenform

Auch als Heilpflanze ist die Heidelbeere bekannt. Die Früchte enthalten viel Vitamin C und B, Karotine, Fruchtsäuren, Mineralstoffe und insbesondere sekundäre Pflanzenstoff, weswegen der Pflanze eine große Bedeutung in der Ernährungswissenschaft und Medizin zuteil wird. In der Hausapotheke findet sie als Tee, Tinktur, Umschlag oder Badezusatz Anwendung

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In Untersuchungen wurde insbesondere die antioxidative Aktivität der Heidelbeere festgestellt, deren Werte über den Brombeeren, dem Knoblauch oder Grünkohl lag. Diese Oxidationshemmer werden in der Lebensmitteltechnik eingesetzt, in der Arzneimittelproduktion und sind ein Bestandteil der menschlichen Muttermilch, die den Organismus von Neugeborenen bei der Infektionsabwehr unterstützt.

Aufgrund des hohen Gerbstoffgehalts, wirkt die Pflanze gegen Durchfall, Zahnfleisch- und Mundschleimhautentzündungen. Der Saft bzw. ein Aufguss aus den Blätter soll sich – ausschließlich zur äußeren Anwendung – bei Augenentzündungen bewährt haben. Und auch Erbrechen, Magenkrämpfe, Mundfäule oder Ekzeme soll das blaue Früchtchen gelindert haben.

Erntehelfer: Die Strähle

Sie erinnert ein wenig an eine handliche Mistgabel mit gebogenen Zinken: Die Strähle, ein altes Hilfswerkzeug zum Sammeln von Heidelbeeren. Bei der Ernte werden die Äste des Heidekrautgewächses beiseite gezogen, um die Beeren frei zu legen, die bevorzugt unter dem Strauch sitzen. Vorsichtig, damit das Obst keinen Schaden nimmt, fährt man mit der Strähle durch die Rispen, die Beeren bleiben in der Vertiefung des Erntehelfers liegen. Da bei diesem Prozess alle Früchte geerntet werden, war es früher untersagt, zu strählen, so lange sich noch grüne Beeren am Strauch befanden. Eine Vorschrift, die gerne von den Förstern kontrolliert wurde – schließlich gehörten Heidelbeeren zu einem wichtigen Nahrungsmittel, mit dem man nicht verschwenderisch umging.

Befallen von einem Gerücht: Bandwurm an Heidelbeeren

„Was man nach 9:00 Uhr isst, das bleibt fürs Leben“ – „Spinat enthält maximal viel Eisen“ – „Kartoffeln machen dick“ – „auf Steinobst soll man kein Wasser trinken“ – „Kaffee entzieht dem Körper Flüssigkeit“. Ernährungsirrtümer, Ernährungsirrtümer, Ernährungsirrtümer. In diese Liste kann getrost auch folgende Mär aufgenommen werden: Heidelbeeren sollten niemals roh verspeist werden, da ihnen die Eier des Fuchsbandwurmes anhaften! „Wenn jemand diese Geschichte in die Welt gesetzt hat, um die Leute vom Heidelbeersammeln abzuhalten, dann war er erfolgreich“, sagt Charly Ebel vom Naturschutzzentrum Ruhestein.

Fakt ist: Die Eier des Bandwurmes befinden sich oft im Kot von Füchsen, von denen, zugegebenermaßen, in unserem Landstrich, eine höhere Population besteht. Wenn die Tiere mit den eigenen Fäkalien oder dem der Artgenossen in Kontakt geraten, ist es auch möglich, dass der Parasit sich im Fell einnistet. Aber wie kommen die Wurmeier an den Heidelbeerstrauch? Der Sage nach, werden sie vom Fell abgestreift, wenn die Füchse durchs Unterholz laufen! Gegenfrage: Warum wurden dann Pilze, Walderdbeeren, -brombeeren oder -himbeeren nicht von dem selben Gerücht befallen – Nahrungsmittel, die wesentlich näher am hochgradigen Infektionsherd gedeihen, nämlich direkt am Erdboden? Man weiß es nicht.

Auch Statistiken und Studien widerlegen das Gerücht: Eine Gefährdung sich mit den Würmern zu infizieren, bestehe hauptsächlich durch direkten Kontakt mit Tieren. Jäger haben sich die Erkrankung beim Abziehen von Füchsen zugezogen. Eine erhöhte Gefahr besteht zudem für Landwirte, die mit ihren Händen viel Bodenkontakt haben und so mit Fäkalien in Berührung kommen können. Risikogruppen sind insbesondere Hundehalter, wenn ihre Vierbeiner in betroffenen Gebieten streunen oder Mäuse fressen, die dem Fuchsbandwurm gerne als Zwischenwirt dienen. Der Weg in den Mund und zur Infektion ist in allen drei Beispielen nicht mehr weit, weswegen nach dem Kontakt mit Tieren oder nach dem Umgraben offener Hausgärten gründlich die Hände gewaschen werden sollten.

Und dennoch sind tatsächliche Infektionen äußerst selten: Rund 20 Erkrankungen werden jährlich in Deutschland verzeichnet. „Füchse halten sich zudem vermehrt in Siedlungsnähe auf, in den Hochlagen des Schwarzwaldes ist die Population verhältnismäßig gering. Sich an einem Heidelbeerstrauch mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren, ist fast ausgeschlossen“, so Charly Ebel. Es ist also an der Zeit, das Gerücht in die Liste der großen Ernährungsirrtümer aufzunehmen. Und wem dennoch etwas mulmig ist, Heidelbeeren wieder roh zu verspeisen – der Kopf isst schließlich mit! -, der kann auf eine Regel vertrauen: Starke Hitze mögen die Eier des Fuchsbandwurmes rein gar nicht. Die schönsten Köstlichkeiten mit Heidelbeeren – heiß über Vanilleeis, als Kuchen oder Marmelade – können unbeschwert genossen werden.

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