Nützliche Winke für die fleißige Hausfrau

Manche Hausfrau wird an vergeßlichen Dienstboten und, wenn sie ehrlich genug ist, es einzugestehen, auch an sich selber die Erfahrung gemacht haben, wie oft im Haushalt Zeit und Kraft vergeudet werden. Wenn irgendwo, so gilt hier ganz besonders das Sprichwort „Jung gewohnt – alt getan“; nichts hilft hier besser als Gewöhnung. Jede junge Hausfrau, auch die, welche es werden will, gewöhne sich und die Dienstboten daran, die Gedanken zusammenzunehmen (…) heute in unseren nützlichen Winken für die fleißige Hausfrau:

Schimmelbildung im Weinkeller

Macht sich im Weinkeller Modergeruch oder gar Schimmelbildung bemerkbar, so muß man schleunigst auf Abhilfe bedacht sein. Zu diesem Zwecke verstopft man die Kelleröffnungen gut, verschließt alle Faßspunde fest, stellt nun in den Keller ein tiefes Gefäß von Steingut mit Kochsalz und gießt die gleiche Menge Schwefelsäure darauf; man entfernt sich hierauf schnell und öffnet erst nach zwei Stunden die Kellerlöcher. Erst wenn die Gase entwichen sind und sich die Luft im Keller wieder erneuert hat, darf man den Keller betreten. Wenn man nun den Schimmel von den Wänden, den Fässern und dem Fußboden abkehrt, so verschwindet damit auch der Modergeruch. Für einen Keller mittlerer Größe sind 1 bis 2 kg Kochsalz und ebensoviel Schwefelsäure ausreichend.

Aufbewahren der Winterkartoffeln

Das Aufbewahren der Winterkartoffeln der Winterkartoffeln geschieht im Keller, wo man sie in einer Ecke auf dem Fußboden aufschüttet. Sie müssen aber, wo der Keller etwas feucht ist, eine Holzunterlage bekommen, denn auf feuchten Steinen wird die Kartoffel glasig und süß, also unbrauchbar. Um das Umherrollen der Kartoffeln zu verhindern, stellt man Bretter waagerecht um das Kartoffellager auf, sehr oft wird es nötig sein, den Brettern durch Holzpflöcke festeren Halt zu geben.

Einkauf von Butter

Unter den Fetten, die in der Küche Verwendung finden, nimmt die Butter die erste Stelle ein. Zwar ist ihr Nährwert ein geringerer, als der mancher anderen Fette, da sie nur ein Fettgehalt von höchstens 85 Prozent hat, aber sie zeichnet sich durch eine höhere Verdaulichkeit aus. (…) Der Geschmack und die Haltbarkeit der Butter sind sehr verschieden, freilich ist es oft schwer, ja beinahe unmöglich, wohlschmeckende reine Butter zu kaufen, denn die Butter ist äußerst empfindlich und nimmt so leicht wie kein anderer Stoff den Geschmack und Geruch anderer mir ihr in Berührung kommender Sachen an. Wenn man an die unsaubere Handhabung beim Kneten der Butter, an die unsaubere Behandlung bei vielen Händlern denkt, so wird man leicht die Ursache dafür finden, daß Kaufbutter so oft unangenehm schmeckt und riecht. Es müßte daher das Ideal einer jeden Hausfrau sein, sich die Butter selbst bereiten zu können.

Einkauf von Ölen

Öle verwenden wir in unserer deutschen Küche im allgemeinen nur im geringen Maße. Dasjenige Öl, das man unter den Namen Provencer- oder Olivenöl einkauft, ist selten echtes Baumöl, sondern meistens Baumwollsamenöl. Echtes Olivenöl ist sehr teuer. Ein recht guter Ersatz für Baumöl ist Mohnöl und auch Rüböl, doch müssen beide auf kaltem Wege aus den Samen gepresst sein, um feinen Geschmack zu haben.

Einkauf von Kolonialwaren

Wenn man den Kaffee nicht selbst röstet, so empfiehlt es sich nicht, größere Vorräte einzukaufen; man kauft mindestens einmal in der Woche den Kaffee frisch gebrannt und verwahrt ihn in einer Porzellanbüchse mit luftdichtem Porzellanverschluß. Den Tee kann man in größeren Mengen einkaufen, doch ist es nicht ratsam, Vorräte für länger als ein Jahr anzuschaffen, und auch das nur, wenn man ihn in fest verschlossenen Büchsen aufbewahrt, da der Tee sein Aroma leicht einbüßt. Beim Einkauf von Zucker sind drei Momente besonders zu beachten: die Farbe, die Löslichkeit und Süßigkeit des Zuckers. Guter Zucker muß weiß sein und eher einen Schein ins Gelbe als ins Blaue haben. Um Löslichkeit und Süßigkeit festzustellen, wirft man ein Stück Zucker in Wasser; dasselbe muß vollständig klar bleiben und rein süß schmecken, alsdann enthält der Zucker keine fremden Beimischungen.

Einkauf von Spanischem Pfeffer

Sehr scharfe, deshalb mit größter Vorsicht zu gebrauchende Gewürze sind der Spanische Pfeffer und der Cayennepfeffer. Der erstere kommt meist als getrocknete Schote in den Handel. Die grünen Schoten sind unreif und minderwertig, je roter die Schote, desto schärfer, dester besser ist sie. Der Cayennepfeffer kommt meist als gestoßenes Pulver, als Paprika zum Verkauf; beim Gebrauch desselben, nochmals – Vorsicht!

Einkauf von Kapern

Schwärzliche Kapern sind meist weich; sie sind schon alt und deshalb wertlos. Lebhaft grün gefärbte Kapern sind auch mit Vorsicht zu gebrauchen, da sie oft künstlich gefärbt sind. Eine Messerklinge, die man hineinsteckt, überzieht sich schon nach einer halben Stunde mit rötlichem Kupferbeschlag, wenn sie nämlich wirklich Kupferacetat, also Grünspan enthalten. Daß man derartige Kapern nicht verwendet, da sie gesundheitsschädlich sind, ist selbstverständlich.

Herstellung von Tafelsalz

Man löst in 2 l Brunnenwasser 1 kg gewöhnliches Kochsalz auf, indem man das Wasser mehrmals unterrührt, bis kein Salz mehr zurückbleibt, dann läßt man es mit einem leichten Tuche verdeckt, damit kein Staub hineinfällt, 2 bis 3 Tage stehen. Nun gießt man das Salzwasser vom dem trüben Bodensatze, der sich gebildet, ab, gießt es durch ein Tuch und bringt es auf einer Schmorpfanne auf das Feuer wo man es langsam einkochen und verdampfen läßt. Underdes nimmt man schon von Zeit zu Zeit mit einem Schaumlöffel das Salz heraus, daß sich am Boden der Pfanne gesetzt hat, und tut es auf ein aufgespanntes Tuch zum Abtropfen. Schließlich legt man das Salz auf flache Schüsseln und läßt es bei mäßiger Hitze trocknen; bei starker Hitze würde es gelb werden. Nachdem es ganz trocken geworden ist, stößt man es im Mörser recht fein. Satt der offenen Salzgefäße ist der Salztreuer „Hygiene“ sehr zu empfehlen.

Zweck des Einmachens

Eine gute Hausfrau muß ebenso für Vorrat in Küche und Keller sorgen, wie ein Schiffer sich vor Beginn einer weiten Reise mit Proviant versieht, denn der Wechsel der Jahreszeiten bringt es nunmal mit sich, daß Garten und Feld oder der tägliche Markt im Sommer und Herbst mit einem wahren Überflusse überschütten, den aber die Küche außerstande ist, zu sofortigem Gebrauche zu verarbeiten. Im Winter und Frühling macht sich dagegen ein Mangel an Früchten und grünen Gemüsen geltend, der es der Hausfrau sehr schwer machen würde, das Bedürfnis nach Abwechslung und geeigneter Zusammenstellung der Speisen zu befriedigen, wenn sie nicht in den Monaten des Überflusses schon sorgen wollte für die Zeit des Mangels.

Vorgänge des Einmachens

Das Verwesen organischer Stoffe wird durch verschiedene Faktoren begünstigt, welche die Naturwissenschaft freilich erst kennen lernen mußte, um dieselben mit Erfolg zu bekämpfen zu können. Selbstverständlich ist hier die Praxis die erste Lehrmeisterin gewesen, aber erst seitdem sich die Wissenschaft auch dieses Feldes bemächtigt hat, sind hier Neuerungen von weitgehender Bedeutung geschaffen worden. Alle diese Errungenschaften zu beleuchten, würde uns zu weit führen, und wir wollen nur diese diejenigen Punkte berühren, welche für die Hauswirtschaft von Bedeutung sind. Das Faulwerden organischer Stoffe ist besonders dem Einfluße von Luft und Wasser bei einer Temperatur von über 5 Grad Wärme zuzuschreiben. In der Luft finden sich nämlich die meisten kleinsten Lebewesen; das sind verschiedene Spaltpilze, die die eigentlichen Fäulniserreger sind (…), was das Wasser anbetrifft so gibt es in der Praxis mancherlei Wege, diesen zu bannen. Vier Stoffe sind es namentlich, welche die Küche anwendet, um das in den organischen Stoffen enthaltene Wasser zu binden, nämlich Zucker, Essig, Salz und Weingeist.

(Die Texte sind Auszüge aus dem Werk: Großes illustriertes Kochbuch, Mathilde Ehrhardt, 1904, neu herausgegeben unter Mitarbeit von A. Mathis)

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